Die Strophoide
Die als Strophoide bezeichnete ebene Kurve dritter Ordnung geht vermutlich auf
Gilles Personne de Roberval (1602-1675) zurück und wurde erstmals
in der Literatur von Evangelista Torricelli (1608-1647) beschrieben.
Den Namen der Kurve prägte Enrico Montucci (1808-1877), der 1846
die Gestalt und insbesondere die Wendung und Drehung der Kurvenlinie (στροφος)
charakterisierte [Loria 1902, S. 59 ff.].
Geometrische Konstruktion
Ausgehend von einem Punkt O wird in einem Abstand der Länge a
eine Gerade g senkrecht zur Abstandslinie errichtet. Der Endpunkt der Abstandslinie
sei der Punkt Q. Der Punkt O wird als Pol und die Gerade
g wird als Leitlinie der Strophoide bezeichnet (Abbildung 4, links).
Vom Pol O aus wird eine Gerade gezeichnet, die die Leitlinie g im Punkt
P schneidet. Von P aus werden mit der Länge
|_PQ|
auf dieser Geraden die beiden Punkte
M1 und M2 derart abgetragen, dass gilt
|_PM1|=|_PM2|=|_PQ|.
Die Strophoide ergibt sich als geometrischer Ort aller Punkte M1 und
M2.
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Abbildung 4: Strophoide als geometrische Figur (links) und im Koordinatensystem (rechts).
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Kurvengleichung und Besonderheiten
Die analytische Beschreibung der Strophoide in einem kartesischen Koordinatensystem
erfolgt durch eine Gleichung dritten Grades. Die Kurve ergibt sich als Menge aller Punkte
P(x|y) der Ebene,
deren Koordinaten die Gleichung erfüllen.
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Strophoide:
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(a-x)y2=(a+x)x2
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In der Darstellung im Koordinatensystem (Abbildung 4, rechts) entsteht eine nicht geschlossene Kurve, bestehend aus einer Schleife und zwei
unendlichen Zweigen. Im Punkt (0|0),
im Koordinatenursprung, liegt ein Doppelpunkt als ein singulärer Punkt der Strophoide.
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